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20. Juni 2019
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7. Juli 2019

… drei Monate

Drei Monate sind vergangen, seit wir in unsere „Wohnung auf 4 Rädern“ übersiedelt sind. Jetzt schon ein Resümee zu ziehen, nein, das ist zu früh.

Trotzdem stelle ich mir die Frage, was hat sich seither verändert?

Zum einen sind es die vielen Eindrücke, welche ich bisher mitnehmen konnte. Südfrankreich, Deutschland, Schweden, Länder durch die wir gefahren sind, und jedes dieser Länder hat mich beeindruckt. Wir sind nur auf Landes- und Nebenstraßen gefahren und diese Art des Reisens zeigt ganz andere Eindrücke als wenn man schnell einmal auf der Autobahn fährt.

Apropos schnell!

Das ist der Begriff, der mich (uns) noch am meisten „bremst“. Bremst deshalb, weil es einfach noch dauert bis wir unser „wohlfühl-tempo“ gefunden haben.

In den drei Monaten sind wir gut 5.700 km gefahren. Wir haben viele traumhaft schöne Plätze gefunden, sind dort geblieben und haben trotzdem schon wieder geplant, wohin wir als nächstes fahren können.
Rückblicken habe ich das Gefühl, dass wir der Gegenwart (hier und jetzt) gegenüber der Zukunft (wann und wohin) zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt haben. Aber es ist ein Lernprozess, der Gegenwart mehr Bedeutung und vor allem Zeit zu geben.

Das Wort Weltreise möchte ich vorläufig eher in den Hintergrund stellen. Ich nenne es lieber, unserer Freiheit auf vier Rädern.

Und das ist auch der Begriff, der mich viel beschäftigt. Die Freiheit, jeden Tag aufs Neue zu entscheiden, was wir tun. Es gibt keine Zeitvorgaben (mit wenigen Ausnahmen) die wir exakt einhalten müssen.

Am besten ist uns das bisher in Schweden gelungen.
Wir waren gerade einmal zwei Tage vorher in Schweden angekommen und hatten erneut Motorprobleme. Die Entscheidung war, entweder gleich wieder auf die Fähre und zurück nach Tirol zum Motortausch, oder wir lassen das Motorproblem einfach einmal links liegen und suchen uns einen schönen Platz und bleiben.
Zum Glück haben wir uns für die zweite Alternative entschieden und sind herrliche elf Tage in Schweden geblieben. Wandern, Radfahren, Schwimmen und Nichtstun hat den Tagesablauf bestimmt. Das war bisher unser längster Aufenthalt an einem Ort.

Etwas was ich auch erkannt habe, ich (wir) haben immer zu viel „Zeug“ im Auto. So haben wir in der Zeit schon zweimal „ausgemistet“. Dinge, die ich beim Start als unbedingt notwendig glaubte, werden dann ganz schnell unwichtig. Gut so, wir haben nur begrenzten Stauraum und außerdem sparen wir Gewicht.

Begegnungen und Gespräche sind auch ein Teil unseres Alltags. Mit unserem „Benzchenklein“ fallen wir auf und werden auch oft angesprochen. Und die meisten mit denen wir sprechen beneiden uns um das was und wie wir es machen.
Es fallen Worte wie mutig, Abenteurer, Aussteiger usw. Ich selbst sehe mich in der Rolle von allem etwas. Was mich (uns) von anderen unterscheidet, ist die Tatsache, dass wir es einfach tun. Es ist so, als würde ich die Tür in etwas Neues, Unbekanntes öffnen. Was dahinter ist, weiß ich erst, wenn ich durchgehe. Aber es lohnt sich neugierig zu sein. Ich versuche nicht lange über Dinge in der Zukunft nachzudenken, sondern schaue darauf, dass ich den Moment genießen kann.

Einen guten Freund, den „Angstmacher“ habe ich anfangs auch auf meiner Schulter sitzen gehabt. Mit seinen Ratschlägen: „Das kannst du nicht machen!“ „Achtung, da passiert gleich etwas“ oder „Um Gottes Willen, das geht ja überhaupt nicht“, hat er ganze Arbeit geleistet. Aber mit jedem Tag, an dem nichts dergleichen passiert, wird der gute Freund leiser. Manchmal muss ich ihn schon richtig suchen. Und wenn er dann doch wieder einmal mit der richtigen „Angstmacherei“ anfängt, dann erzähle ich ihm alles über die schönen und tollen Erlebnisse.

Uns wird überall eingeredet, dass hinter jeder Ecke etwas Böses lauert und nur auf mich wartet. Ich habe die gegenteilige Erfahrung gemacht. Und wenn in der Zukunft trotzdem einmal etwas passiert, na ja, dann mache ich mir darüber Gedanken, wenn es soweit ist.

Jetzt sind erst einmal einige Tage zuhause in Tirol angesagt. Der Motor wird gewechselt, es ist sonst noch das eine oder andere erledigt und wir treffen Familie und Freunde.

Das schöne an diesem Leben ist, Zeit spielt eine untergeordnete Rolle. Ich (wir) fahren auf jeden Fall weiter. Wann genau, weiß ich noch nicht, geplant ist Ende August in Richtung Süden. In dem Sinne, die Welt ist offen, ich lasse mich überraschen.