Spanien Oktober 2019
3. November 2019
7 Monate Marokko
26. Juni 2020

Marokko von November 2019 bis Mai 2020

Marokko الْمَغْرِب

Die Überfahrt mit der Fähre von Algeciras nach Tanger Med hat gerade einmal 2 Stunden gedauert. Von Tarifa aus wirkt es fast so, als könnte man auch schwimmend Marokko erreichen. Lorenzo, der Arme, durfte nicht an Deck und musste alleine im Auto im Schiffsbauch bleiben. Aber mit Musik und eingeschaltetem Licht im Auto hat auch er die Überfahrt gut überstanden.

Der 2007 eröffnete Seehafen Tanger Med ist die einfachste Variante um mit dem Auto nach Marokko einzureisen. Die Einreiseformalitäten kann man teilweise schon am Schiff erledigen, lediglich die Autoregistrierung und die Zollkontrolle wird im Hafen gemacht.

Ursprünglich wollten wir über das Rifgebirge Richtung Königsstädte fahren, haben aber die Route geändert, weil wir bei Benzchenklein den Verdacht hatten, dass die Bremsbeläge zu erneuern sind.

Also sind wir auf schnellstem Wege an der Atlantikküste in die Hauptstadt Rabat gefahren. Dort hatten wir eine Empfehlung für eine Werkstätte mit deutschsprachigem Chef, was natürlich günstig ist, weil unsere arabischen Sprachkenntnisse schon etwas eingerostet sind 🙂

Wir haben zwei Zwischenstopps zum Übernachten eingelegt, den ersten davon in der Hafenstadt Larache. Mit dem Fahrrad haben wir die bunte Altstadt von Larache erkundet und gleich am Markt Obst und Gemüse eingekauft. Am nächsten Tag ging es weiter nach Kenitra, eine Stadt mit rund 400.000 Einwohnern und sehr modernem Ampelsystemen. Alles blinkt in LED, selbst der Ampelmast blinkt mit, aber trotz dieser Maßnahme hält sich keiner daran und die zusätzlich positionierten Polizisten müssen um ihre Gesundheit fürchten.

Wir passen unseren Fahrstil so gut wie möglich an den marrokanischen an, und kommen so immer wieder gut an unser Ziel. Also waren wir am Dienstag pünktlich um 9.00 Uhr in Rabat. Vorsorglich hatten wir in Rabat ein Appartement für 3 Tage reserviert, weil unsere „Heim“ in der Werkstätte steht. Leider war es dann nicht so einfach, das Appartement zu finden. Nach stundenlangem herumirren, haben wir zwar ganz Rabat gesehen, nur das Appartement war nicht auffindbar und der Vermieter telefonisch nicht erreichbar.

Die Einheimischen haben uns so gut wie möglich geholfen, telefoniert, Wege beschrieben, zum Tee eingeladen, aber keiner wusste wo das Appartement ist. Aber Glück im Unglück, der Werkstättenchef hat uns am Nachmittag angerufen, dass unser Auto bereits fertig ist. Also alles wieder retour zur Werkstätte und wir konnten weiter fahren.

Meknes die Königsstadt

Unser nächstes Ziel war die Königsstadt Meknes, wo wir direkt am großen Stellplatz vor dem Bab Mansour übernachtet haben. In Meknes sind relativ wenig Touristen und der Souk ist urtümlich marrokanisch. Viele der kleinen Kleidergeschäfte haben Second Hand Ware und im Technik- und Elektrosouk wird noch vieles repariert, was bei uns schon lange entsorgt wird. Am Parkplatz treffen wir dann noch zwei österreichische Paare aus Vorarlberg, die uns bei ihren zwei ausgebauten LKWs auf ein Stoßstangenbier einladen. Wir hatten eine nette Zeit und tauschen die neuesten Reiseinfos aus. Wir bleiben noch 2 Tage in Meknes, essen unseren ersten Couscous und Tajine und genießen das marokkanische Flair.

Von Meknes aus fahren wir weiter über Moulay-Idriss in die nächste Königsstadt Fes. Leider ist die Wettervorhersage für die nächsten Tage sehr bescheiden :-), Regen, Wind und Kälte. Also bleiben wir nur für einen Abend in Fes und gehen in ein vom Reiseführer empfohlenes Restaurant. Leider dürfte der Reiseführer nicht mehr ganz aktuell sein, denn wir sind die einzigen Gäste im „La Noria“ und wissen nach dem Essen auch warum. Wir saßen in einer bis an die Decke gefliesten, kalten Halle und es gab nur Menüs. Also gut, wir wählten zwei verschieden Menüs aus und bekamen dann einfach irgendetwas, aber nicht das was wir bestellt haben. Wenn es nur wenigsten geschmeckt hätte, dafür haben sie dann noch 30 Dirham mehr verlangt. Reklamieren war zwecklos, plötzlich konnte niemand mehr französisch.

Rodeln in Marokko?

Am nächsten Morgen haben wir noch Vorräte eingekauft und wollten über Ifrane nach Midelt weiter fahren. Ifrane liegt im Mittleren Atlas und ist ein Skizentrum für reiche Marokkaner. Wir konnten uns nicht vorstellen, dass es im November dort oben schon schneit. Aber mit jedem Höhenmeter kamen wir dem Schnee näher und waren dann in Ifrane total überrascht, als am Straßenrand die Rodelverleiher standen. Auf den Hügeln rundherum war schon reger Rodelbetrieb und selbst alte Marokkaner wurden zu Kindern. Begeistert waren wir auch von ihren kreative Schneemännern, die wahre Kunstwerke sind, aber für jedes Foto muss bezahlt werden. Wir mussten unsere ursprüngliche Route nach Midelt leider ändern, da die Passstraße wegen zu viel Schnee gesperrt war. Aber auch die Umfahrungsstraße war landschaftlich interessant und wir fuhren durch einen wunderschönen, tief verschneiten Zedernwald der uns über den 1.934 Meter hohen Tizi-n-Tretten Pass führte. Zum Glück war diese Straße frisch geräumt und wir haben unsere Schneeketten nicht gebraucht.

Abends sind wir ziemlich müde in Midelt auf 1.488 Metern angekommen. Es war sehr kalt und der kommunale Campingplatz sehr einfach, aber für eine Nacht ok.

Oasenleben und Vogelgezwitscher

Am nächsten Morgen geht es weiter, das Wetter hat sich etwas gebessert, es regnet nicht mehr und das Thermometer steigt auch wieder. Wir fahren entlang der Ziz-Schlucht mit tollen Palmenoasen und steil aufragenden Bergen des Hohen Atlas. Für uns sind diese Oasengärten sehr beeindruckend, da wir so etwas in natura noch nie gesehen hatten. Sie sind sprichwörtlich eine Oase der Ruhe von Vogelgezwitscher untermalt.

Über die Provinzhauptstadt Errachidia fahren wir weiter, immer noch entlang des Ziz-Tales. Unser heutiges Ziel ist die Oase „Source bleue de Meski“. In der französischen Protektoratszeit wurde diese Quelle gefasst und durch mehrere Steinbecken geleitet, wobei das größte bis heute als Schwimmbad genutzt wird. Das stark veralgte Wasser hat uns dann doch vom Schwimmen abgehalten. Auf dem dazugehörigen Campingplatz, dem ältesten Marokkos, mitten in der Oase sind wir dann einige Tage geblieben. Täglich wandern wir durch die Oase und lernen so das gemütliche Oasenleben kennen. Männer reiten auf Eseln zu ihren Feldern, wo sie verschiedenste Gemüsesorten anbauen. Im November ist die Dattelernte im vollen Gange und Franz kauft seine ersten frischen Datteln zum Touristenpreis. 1 kg durchschnittliche Datteln für € 10,–. Einige Wochen später kaufen wir bessere Datteln um € 2.– pro Kilo. Aber wie uns immer wieder deutschsprechende Marrokaner belehren: „Leben und leben lassen“. So ist es ok, dass wir immer wieder einmal einen Touristenpreis zahlen.

Auch wenn am Campingplatz sehr geschäftstüchtige Souvenirverkäufer sind, und es manchmal anstrengend ist, ist es ein wunderschöner Platz mitten in der Natur. Man kann herrliche Wanderungen machen, z.B. zu einer Jahrhunderte alten, halb verfallenen Kasbah auf einem Felsplateau mit einem grandiosen Blick über das Oasental. Am Campingplatz ist nichts los, nur wir und ein französischen Camper stehen hier unter den Palmen. Aber am dritten Tag bekommen wir neue Nachbarn, Sima und Manfred aus Österreich mit ihrem LKW. Wir verbringen eine lustige Zeit mit den beiden. Dann aber trennen sich leider unsere Wege, wir fahren weiter Richtung Merzouga und Manfred und Sima fahren über die Piste Richtung Mauretanien. Aber über Whatsapp bleiben wir weiter mit Ihnen in Kontakt.

Sanddünen in der Erg Chebbi

Das Gebiet zwischen Errachidia im Norden und Merzouga im Süden nennt man das Tafilalet. Es ist das größte zusammenhängende Oasengebiet Marokkos und hat ca. 500.000 Einwohner. Es war früher wichtiges Karawanen und Handelszentrum. Von hier brachen ab dem Mittelalter die Karawanen nach Timbouctou und Schwarzafrika auf. Unser Ziel ist die Erg Chebbi mit ihren gelbgoldenen Sanddünen. Wir finden einen wunderschönen Campingplatz „Haven la Chance“, direkt an den Dünen. Das Wüstenfeeling gefällt uns so gut, dass wir gleich 2 Wochen bleiben. Es ist bereits Dezember, trotzdem kommt bei uns keine vorweihnachtliche Stimmung auf. Aber es stört uns nicht, wir genießen unsere täglichen Wanderungen in den Dünen der Sahara. Auch hier am Campingplatz sind wir teilweise wieder alleine, nur Karin und Udo aus Deutschland halten mit uns die Stellung. Sie fahren schon seit 40 Jahren nach Marokko und geben uns viele wertvolle Tipps.

Uns fasziniert auch ihre Einstellung zum Thema campen in Marokko. Hier ist es sehr einfach einen freien Stellplatz zu finden und gratis zu übernachten, was teilweise hier auch sehr schön ist. Aber Campingplatzbetreiber geben sich große Mühe und investieren viel um den Touristen etwas zu bieten. Daher sollte man sie unterstützen und wieder einmal längere Zeit am Campingplatz stehen. Inzwischen gilt es teilweise als „cool“ 99% frei zu stehen und nur für einen Tag auf einen Campingplatz zu gehen, um Müll und Abwasser abzuladen und kostbares Trinkwasser aufzutanken und das alles für durchschnittlich € 6,– Campingplatzgebühr. Da gilt wieder der Spruch: „Leben und leben lassen“ 🙂 Auch wir stehen immer wieder frei, versuchen aber trotzdem Geld im Land zu lassen, wie zB. länger am Campingplatz stehen, auf regionalen Märkten einkaufen und immer wieder einmal in Restaurants essen zu gehen.

In der Nähe unseres Campingplatzes, im 2 km entfernt Dorf Hassi Labied haben wir ein sehr gutes Marokkanisches Restaurant gefunden. Im Fatima kocht der Chef persönlich und die Gerichte werden alle frisch zubereitet. Es schmeckt super und ist wunderschön angerichtet.

Wüstentour nach Zagora

In der zweiten Woche treffen die zwei Lungauer, Robert und Moni bei uns am Campingplatz ein. Wir haben sie schon vor Wochen in Moulay-Idriss kennen gelernt und wir beschließen nun, gemeinsam eine dreitägige Tour durch die Wüste zu machen. Wir wollen von Taouz, nahe der Algerischen Grenze, über Hassi Ramlia und Hassi Fougani nach Zagora fahren. Es sind insgesamt 256 km, davon 158 km Piste. In Taouz bleiben wir kurz stehen um den Pistenstart zu finden, schon steht ein „Guide“ mit Motorrad neben uns, der uns dringend davon abrät, weil die Ouedüberquerung viel zu gefährlich ist. Was nun? Hat er recht oder will er uns nur seine Tour verkaufen? Wir gehen auf volles Risiko und schlagen seine Dienste aus. Der Start in die Piste ist nicht ganz einfach zu finden, doch wir schaffen es und fahren einige Stunden bis zu dem ominösen Oued. Die Spannung steigt, können wir dieses Flussbett überqueren? Moni navigierte uns zu einer Stelle flussaufwärts wo wir ohne größere Probleme queren konnten. Unsere Vermutung hat sich bestätigt, der Guide wollte uns nur seine Tour verkaufen. Wir haben ein bisschen Mitleid mit ihm, in Zeiten von Navigation und GPS wird es für ihn sicherlich immer schwieriger Kunden zu finden. Wir finden hingegen einen wunderschönen einsamen Übernachtungsplatz bis 3 Minuten später ein junger Marokkaner mit seinem Mofa vor uns steht. Im Rucksack hat er seine ganzen „Laden“ verstaut, breitet diesen vor uns auf einem Tuch aus und wartet dann mit einer Elendsgeduld auf uns als Kunden. Wir kaufen ihm ein Lederarmband ab und er ist so schnell verschwunden wie er hergekommen ist.

Bei etwa der Hälfte der Piste treffen wir auf eine geteerte Straße die vom Norden her kommt und uns erwarten wieder Guides. Diesmal sind wir uns sicher, dass wir ihre Hilfe nicht brauchen und genießen die eindrucksvolle und abwechslungsreiche Saharalandschaft. Wir bewundern Steinwüsten, Sanddünen, karge Berglandschaften, grüne Baumgruppen und dazwischen kleine Ansiedlungen. Dromedare kreuzen immer wieder unseren Weg und zum Frühstück bietet uns der Hirte frische, warme Dromedarmilch an. Sie schmeckt gleichzeitig salzig und süß und ist für unseren Geschmackssinn eher gewöhnungsbedürftig.

Für uns war es unsere erste Sanderfahrung mit dem Auto, aber nach 3 Tagen sind wir durchgeschüttelt und glücklich wieder heil auf der Teerstraße gelandet. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 8 km/h fühlten sich die letzten Kilometer Teerstraße nach Zagora wie eine Autobahn an.

Die Filmstadt Ait Benhaddou

Wir bleiben zwei Tage am Campingplatz in Zagora, dann brechen wir Richtung Marrakesch auf, wo uns Freunde aus Österreich und Deutschland über Weihnachten besuchen. Wir wählen die schöne Strecke durch das Draatal wo zerklüfteten Bergflanken und grüne Palmenhaine mit alten Kasbahs aneinander gereiht sind. Unser heutiges Ziel ist Ait Benhaddou. Der Ort ist seit 1987 UNESCO Weltkulturerbe. Das Dorf ist ein wunderschönes Beispiel traditioneller Lehmbauarchitektur. Auch die Filmindustrie hat diesen Ort entdeckt und hier wurden Filme wie Lawrence von Arabien, Galdiator, Alexander oder Prince of Persia gedreht. In letzter Zeit haben auch chinesische Reisegruppen diesen Ort entdeckt. Mit dutzenden Reisebussen „überfallen“ Touristen die Stadt, aber nur zwischen 11.00 und 17.00 Uhr. Davor und danach kann man das Flair dieser Stadt ganz alleine genießen.

Am nächsten Tag geht es für uns weiter über Telouet auf dem bekanntesten Pass des Hohen Atlas Tizi-n-Tichka auf 2.260 Meter. Die Straße bei Telouet ist inzwischen vollkommen asphaltiert und die Passstraße ist zur Zeit leider eine durchgehenden Baustelle. Hier wird zum Leidwesen der Natur groß ausgebaut. Es wird eine mehrspurige Straße und der Fluss wird teilweise verbaut und neu reguliert. Trotzdem ist der Ausblick von oben immer noch beeindruckend und wir haben Glück, es liegt noch kein Schnee.

Marrakesch und Andre Hellers Garten „Anima“

Wir freuen uns auf die nächsten zwei Wochen mit unseren Freunden in Marrakesch. Wir besichtigen die Souks und den Jemma-el-Fna, den zentralen Platz wo sich Geschichtenerzähler, Schlangenbeschwörer und Touristen tummeln. Wir sind überrascht, wie wenig los ist, und das kurz vor Weihnachten. In den letzten 6 Jahren hat sich hier einiges verändert, im Souk sind teilweise Preisschilder zu sehen und die aufdringlichen Verkäufer gibt es fast nicht mehr. Das macht das Einkaufen relaxter, aber auch unspektakulärer. Ein Highlight ist der ziemlich neue Andre Heller Garten „Anima“, 30 km südlich von Marrakesch im Ourikatal. Es ist ein großer Garten mit verschiedensten Pflanzen und Bäumen, sowie Kunstwerken von internationalen Künstlern. Der Garten bezaubert auch durch seine Lage. Man wandert durch Palmen und sieht im Hintergrund die verschneiten Bergspitzen des Hohen Atlas. Es gibt einen Shuttlebus ab Marrakesch, so entgeht man dem chaotischen Verkehrsgewühl in der Millionenstadt. Nach 2 Wochen Stadtverkehr mit unserem Benzchenklein haben wir uns schon an den marokkanischen Fahrstil angepasst, aber jede Fahrt ist wieder ein Erlebnis.

Weihnachten haben wir zu zweit mit selbstgemachten Fondue am schönen Campingplatz „Le Relais de Marrakech“ gefeiert. Er liegt etwas außerhalb der Stadt, ist eine grüne Oase, sehr sauber und ruhig.

Erg Chegaga, unsere zweite Wüstentour

Mit unseren lungauer Freunden Robert und Moni haben wir schon vor unserem Abstecher nach Marrakesch vereinbart, wieder eine mehrtägige Wüstentour, diesmal durch die Erg Chegaga, zu machen und dort auch den Jahreswechsel gemeinsam zu verbringen. Wir wollten nicht wieder über denselben „Baustellen Pass“ fahren und wählten daher die Strecke über den Tizi-n-Test Pass. Die Beschreibung dieser kleinen Passstraße klingt abenteuerlich. Die Straße ist teilweise nur einspurig mit wenigen Ausweichmöglichkeiten und Leitplanken sind nicht vorhanden. Der Fahrer soll schwindelfrei sein und möglichst keine Höhenangst haben. Der Blick in die Schlucht ist atemberaubend und tief. Am meisten Kopfzebrechen macht uns eine Passage, wo überhängende Felsen eine maximale Fahrzeughöhe von geschätzten 3,5 Meter erlauben. Wir wissen nicht wie gut das marokkanische „Schätzgutachten“ ist, unser Benzchenklein ist 3,2 Meter hoch. Volles Risiko und los geht es in Richtung Süden.

Die wunderschöne Strecke führt über Asni, vorbei am höchsten Gipfel des Atlasgebirges, dem Toubkal mit 4.167 Metern.

Wir übernachten an einem Bach in einem kleinen Dorf kurz vor der Passhöhe mit 2.092 Metern. Für die Kinder des Dorfes sind wir eine willkommene Abwechslung und schon bald sind wir „belagert“ und können uns nur mit Kokoswaffeln „freikaufen“. Alle Kinder stellen sich mit ihren Namen vor und wir verständigen uns mit Händen und Füssen und haben einen Riesenspass.

Am nächsten Morgen geht es für uns weiter zur Passhöhe und bald danach kommt die Schlüsselstelle mit dem Felsüberhang. Aber alles halb so schlimm, wir passen durch und weiter südlich ist die Straße leider schon sehr gut ausgebaut. Leider haben wir zu wenig Zeit um in dieser grandiosen Bergwelt zu wandern, aber wir kommen sicher wieder hier her zurück. Die weitere Strecke führt uns über Taliouine durch den Antiatlas, wo auch Safran angebaut wird. Das letzte Stück zu unserem Treffpunkt Foum Zguid führt uns durch ein atemberaubendes Oasental, wo wir einen netten Übernachtungsplatz direkt im Palmenhain finden. In der Früh gehen wir mit Lorenzo noch eine kleine Bergtour und am Nachmittag erreichen wir das kleine Wüstendorf Foum Zguid, unser Treffpunkt mit Robert und Moni. Wir kaufen unsere Vorräte für die fünftägige Wüstentour ein und starten am nächsten Tag in unser nächstes Abenteuer.

Vor uns liegt eine Strecke mit gesamt 243 km, davon 151 auf der Piste. Wir wählen die schwierigere Südpiste über den Lac Iriki, nahe an der algerischen Grenze. Hier ist weniger „Verkehr“ und auch die Touristencamps mit den Zeltstädten sind eher nördlich. Robert und Moni übernehmen wieder die Navigation. Die Strecke bietet viele unterschiedliche Pistenarten und am ersten Tag erwartet uns eine 40 km lange Steinwüste. Wir fahren im Schritttempo und trotzdem werden wir und unsere Autos richtig gut durchgeschüttelt. Aber am Abend entschädigt unser genialer Aussichtsplatz über dem zur Zeit ausgetrockneten Lac Iriki alle Strapazen. Es ist seit ein paar Tagen etwas kühler geworden. Untertags hat es mit Sonne zwischen 15-20° Grad, aber in der Nacht kühl es anständig ab und die Temperaturen sinken auf knapp über 0° Grad. Aber mit unserer Standheizung und genügend warmen Decken ist auch das kein Problem.

Am nächsten Morgen geht es weiter und wir freuen uns, dass wir mit 30 km/h über den ausgetrockneten Lac Iriki „rasen“ können. Aber das Vergnügen ist nur kurz, dann erreichen wir die ersten Sanddünen. Die Navigation ist hier gar nicht so einfach, weil in diesem Streckenabschnitt viele Wanderdünen sind, die sich innerhalb von Tagen verändern und die Piste verdecken. Bei einer steileren Düne graben wir dann prompt unser Benzchenklein bis zur Bodenplatte ein. Da hilft nur eines, freischaufeln und noch mehr Luft aus den Reifen ablassen. Wir kommen wieder frei und setzen unsere Fahrt fort. Wir suchen uns einen schönen, windgeschützten Übernachtungsplatz in den Dünen, wo wir Silvester verbringen. Wir sind heute für das Silvesteressen zuständig, Robert und Moni sorgen für genügend Brennholz für das Lagerfeuer. Zur Feier des Tages gibt es heute ein Fondue mit Wein und um Mitternacht ein Gläschen Sekt. Alkohol ist in einem muslimischen Land nur schwer zu bekommen, daher ist das für uns heute eine Besonderheit. Unser Brennholzvorrat hält bis Mitternacht und wir genießen den wunderbaren Sternenhimmel und unser beeindruckendes Lagerfeuer.

Es war ein sehr schönes und relaxtes Silvester, ganz ohne Knallerei und Raketen, mitten in den Dünen. Den Neujahrstag verbringen wir gemütlich beim Wandern und lesen und am Abend gibt es Buchteln mit selbstgemachter lungauer Marillenmarmelade. Für uns ist das Luxus pur, besser als jedes 5-Sterne Menü.

Gut ausgeruht geht es am nächsten Tag weiter Richtung Osten. Die Piste ist ein Mischung aus Sand und Schwemmlehm und sehr schwierig zu fahren. Wir müssen ständig kleine und große Lehmsockel überqueren und kommen nur sehr langsam voran, dazu kommen noch anspruchsvolle Sandpassagen die uns einiges abverlangen. Eine Wandergruppe überholt uns an dem Tag zweimal 🙂 und wundern sich über unseren „Geschwindigkeitsrausch“. Wir sind erstaunt, was Benzchenklein alles schafft und lernen unser Auto besser einzuschätzen. Unser letzter Abend auf dieser Tour ist nochmals ein Highlight. Der Wind hat nachgelassen und so können wir heute auf einer hohen Düne übernachten. Der freie Blick über die Erg Chegaga und die vollkommene Ruhe sind ein schöner Abschluss für unsere wunderschöne Neujahrstour.

Der letzte Tag führt uns an Wüstencamps vorbei in das kleine Dorf Mhamid. Hier werden wir ziemlich impulsiv von bettelnden Kindern aufgehalten. Mhamid ist der Ausgangspunkt für die meisten organisierten Wüstentouren und der Tourismus hat anscheinend schon einige Spuren hinterlassen. Deshalb fahren wir gleich weiter auf der ausgebauten Teerstraße nach Zagora, wo wir für die nächste Woche einen Werkstatttermin für Benzchenklein ausgemacht haben. Er bekommt einen neuen Schnorchel, hinten zusätzliche Blattfedern, neue Stoßdämpfer und einen frischen Unterbodenschutz. Und die Roststellen an der Fahrerkabine sollen repariert werden. Wir sind schon gespannt, wie Benzchenklein nach seiner Wellnesskur ausschaut.

Die „Offroader-Werkstättenstadt“ Zagora

Die Oasenstadt Zagora mit 40.000 Einwohnern hat eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Autoreparaturwerkstätten. Schon auf den Zufahrtsstraßen stehen „aufmerksame Helferlein“ welche einem winkend zu verstehen geben, dass nur ihre Werkstätte die Beste in der Stadt ist.

Wir hatten es hier viel einfacher, denn für uns war klar, wir fahren zu Ali. Ali Nassir ist eine Institution. Er hat in Frankreich den KFZ-Meister gemacht und war Servicemann von Jutta Kleinschmidt bei der Ralley Paris-Dakar. Es gibt in Zagora sicher auch noch andere gute Werkstätten, aber er ist der Bekannteste.

Nachdem wir mehrere Sachen bei Benzchenklein machen lassen und während dessen nicht im Auto wohnen können, reservieren wir uns ein Zimmer für eine Woche. Zimmer in Zagora gibt es genügend, aber nicht für Leute mit Hund. Hunde gelten im Islam als unrein und entweihen ein Haus. Aber nach längerem Suchen, finden wir ein schönes Zimmer in das auch Lorenzo mit darf.

Wir bringen Benzchenklein zur Werkstätte und besprechen mit Ali nochmals die verschiedenen Arbeiten. Der Ölkühler verliert Öl, der Simmering auf der Vorderachse muss ausgetauscht werden, einen Schnorchel wollen wir haben, stärkere Blattfedern bei der Hinterachse, neuer Unterbodenschutz und Roststellen in der Fahrerkabine ausbessern und neu lackieren. Also doch eine ganze Menge und wir wollen von Ali einen ungefähren Kostenvoranschlag. Mit einem verschmitzten lächeln sagt er … good price … und das war alles. Für wen der „good price“ ist, wird sich erst noch herausstellen.

Aber Zagora hat natürlich noch mehr als Autowerkstätten zu bieten. Wir besteigen den 974 Meter hohen Djebel Zagora und haben eine überwältigende Rundsicht über die Stadt und in die Oasengärten.

Wir können auch den riesigen wöchentlichen Markt empfehlen, auf dem man immer wieder etwas Neues entdeckt. Neben frischem Obst und Gemüse gibt es auch einen Viehmarkt, einen Secondhandmarkt, einen eigenen Dattelmarkt, natürlich Souvenirstände und Garküchen wenn der Hunger zu groß wird.

Wir nützen die meiste Zeit damit, an unserer Webseite zu arbeiten, die wir seit 2 Monaten nicht mehr aktualisiert haben. Es haben sich hunderte Fotos angesammelt, die ausgewählt, sortiert und komprimiert werden müssen. Wir brauchen mehrere Tage um die Homepage wieder auf den neuesten Stand zu bringen. Unser Neujahrsvorsatz für 2020 !!!! wöchentlich die Homepage zu bearbeiten.

Neben der Arbeit an der Webseite fahren wir aber täglich zu Alis Werkstätte und so vergeht die Woche wie im Flug. Manche Kunden verbringen die ganz Reparaturzeit in Alis Werkstätte inklusive gemeinsamen Mittagessen mit den Mechanikern. Es stellt sich heraus, dass unsere Reparaturliste noch länger wird. Die Stoßdämpfer sind zum Tauschen und die Motorlager sind ausgeschlagen. Doch die Reparaturen gehen zügig voran und wir sind zuversichtlich, dass der Zeitrahmen hält. Unterboden und Rostausbesserungsarbeiten werden in eine andere Werkstätte ausgelagert. Hier wären wir aber besser dabei geblieben. Nach 3 Tagen war der Unterboden neu und die Roststellen ausgebessert, aber die „Jungs“ haben sehr ungenau gearbeitet. Der Unterboden war in Ordnung, aber die Rostarbeiten mussten neu gemacht werden. Diesmal bleiben wir vor Ort und kontrollieren jeden Arbeitsschritt. Nach einem zusätzlichen Tag ist Benzchenklein dann fertig und los geht es mit dem Probefahren.

Zum Schluss kommt jetzt noch der „good price“ und wir sind angenehm überrascht und Ali ist auch zufrieden. Für Franz gibt es noch eine Riesenpackung bester Datteln 🙂 als Abschiedsgeschenk.

Nach schönen Tagen in Zagora, ist es jetzt Zeit wieder ein Stückchen weiter zu fahren. Unser nächstes Ziel ist Tafraoute im Antiatlas, wo Franz seine Visumverlängerung beantragen wird.

Berge und Babuschen in Tafraoute

Der erste Teil unserer Strecke nach Foum Zguid führt uns über den legendären Karawanenweg, der in 52 Tagen nach Timbuktu führt. Bis vor kurzem war das noch eine Piste, jetzt ist es ein gut ausgebaute geteerte Straße wo uns auf 120 km gerade einmal 10 Autos entgegengekommen sind. Nach ca. 40 km sehen wir einen eindrucksvollen Tafelberg und entschließen uns, den am nächsten Tag zu besteigen. Also suchen wir uns in der Nähe einen Übernachtungsplatz und erleben einem grandiosen Sonnenuntergang. Am nächsten Tag geht es weglos aufwärts und wir erreichen nach 2 Stunden ein einsames Hochtal. Der Ausblick von dort oben ist atemberaubend und wir finden immer wieder verschiedenste Versteinerungen. Der Abstieg wird für Lorenzo schmerzhaft. Kleine Dornen bohren sich in seine Pfotenballen und kaum haben wir sie herausgezogen, tritt er sich die nächsten ein. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als ihn abwechselnd ins Tal zu tragen. Als wir endlich zum Auto kommen, brauchen wir alle erst einmal eine ausgedehnte Pause. Trotzdem war es eine schöne, eindrucksvolle Wanderung in fast unberührter Natur.

Wir fahren am späten Nachmittag brechen wir nach Foum Zguid auf und finden im letzten Tageslicht eine schönen Platz, mitten in den Dünen, wo wir auch einige Tage bleiben wollen. Wir nützen die Ruhe um an der Homepage zu arbeiten und Franz „spielt“ mit der Spiegelreflexkamera. Abends wird es zur Zeit deutlich kühler und wir verbringen die Abende am gemütlichen Lagerfeuer. Als wir nach 3 Tagen weiter Richtung Tafraoute fahren wollen, gibt es „Mäusealarm“ hinten im Stauraum. Wir räumen das gesamte Auto aus und malen uns schon aus, wo die Maus sich überall verstecken kann. Kathi klopft die Bergschuhe aus und sieht in einem einen kleinen Mausschwanz. Wir schütteln und klopfen den Schuh ohne Erfolg, es scheint, dass die Maus mit uns weiterfahren will. Letztendlich können wir sie aber doch überzeugen, dass es unter dem Dornenbusch schöner ist, und schenken ihr die angeknabberten Süßkartoffeln.

Auf der Weiterfahrt kommt plötzlich Wind auf, der immer stärker wird und unser Benzchenklein ganz schön ins schaukeln bringt. Auf der Fahrt nach Tata fahren wir an dem Salzfluss Oued Melh entlang, wo sich immer wieder tiefe Gumpen gebildet haben, in denen man bei genügend Wasser auch baden kann. Aber der Fluss ist ausgetrocknet und wir fahren weiter. Hinter dem Ort Tissinnt ändert sich die Landschaft und wir haben den Eindruck in Kappadokien in der Türkei zu sein. Die mächtigen Sandsteinformationen erstrecken sich so weit das Auge reicht. Wir machen ein Kaffeepause und fahren hinter Tata über eine kurvenreiche, enge Gebirgsstraße auf 1.600 Meter hinauf. Die Aussicht ist grandios, wir sind ganz alleine unterwegs, doch der Sturm wird immer stärker und inzwischen ist es schon dunkel geworden. Nach 2 Stunden im schwankenden Auto, beschließen wir noch ein Stück talwärts zu fahren um dort einen windgeschützten Übernachtungsplatz zu finden. Irgendwann bleiben wir einfach rechts am Straßenrand stehen und versuchen trotz Wind wenigstens ein bisschen zu schlafen.

Wir sind schon früh wach, froh dass am Auto noch alles dran ist und fahren die letzten Kilometer nach Tafraoute. Es ist saukalt, aber die ersten blühenden Mandelbäume lassen sich anscheinend davon nicht beeindrucken. Der Frühling ist nicht mehr weit, überall sprießen die ersten Blumen und Gräser hervor.

Tafraoute ist eine kleine Oasenstadt, die in kargen Granitbergen und imposanten Felsen liegt. Die Region zählt zu den schönsten Marokkos und ist ein beliebter Platz bei Wildcampern. Touristen sind eine sehr willkommene Einnahmequelle, da die Landwirtschaft auf Grund von Wasserknappheit immer weniger einbringt. Die Stadt ist außergewöhnlich sauber und sehr „westlich“ ausgerichtet, trotzdem hat sie sich ihre eigene Tradition bewahrt. Tafraoute ist die Babuschenhauptstadt Marokkos. Die traditionellen Lederschuhe werden in kleinen Werkstätten gefertigt und am Markt angeboten. Mittwoch ist Markttag und wir mischen uns unter die Einheimischen und bestaunen das hektische Treiben an den vielen Ständen. Nach 2 Stunden kommen wir völlig überladen zurück zum Auto, aber bei soviel frischem Obst und Gemüse konnten wir nicht widerstehen.

Wir treffen unsere Münchner Bekannten aus Zagora, Antje und Ralf am Campingplatz in Tafraoute wieder und verbringen ein paar lustige Abende miteinander. Nachdem es am Abend zum draußen essen schon zu kalt ist, bauen wir unser Vorzelt auf und quetschen uns zu Viert inklusive Gasgrill hinein. Ach so nein, wir waren zu Fünft, Lorenzo war ja auch noch mit dabei.

Franz hat seinen Antrag auf Visumverlängerung bei der Gendarmerie Royale abgegeben und während wir auf die Bestätigung warten, die einige Tage dauert, machen wir Bergtouren in der eindrucksvollen Umgebung.

Kunterbunter Antiatlas und wilde Atlantikküste

Nachdem die Visumverlängerung doch etwas länger dauert, machen wir einen Ausflug zu den bunten Felsen in der Nähe von Tafraoute und in das Oasental Ait Mansour. Die Felsen hat ein belgischer Künstler 1984 mit ägyptischen Naturfarben angemalt. Als Fotomotiv finden wir es recht witzig und man darf dort mit dem Camper auch übernachten. Wir fahren weiter über einsame Bergstraße, die immer schmäler werden, nach Ait Mansour. Die einspurige Straße schlängelt sich durch beeindruckende hohe, rote Felswände und von links und rechts hängen Feigenbäumen, Dattelpalmen und Oleander in die Straße. Ein wunderschöner Ort und wir fühlen uns wie im Urwald. Leider kommt uns an einer engen Stelle ein sehr junger marokkanischer LKW Fahrer mit einem Dreiachsen LKW entgegen. Wir stellen uns die in die nächste Ausweiche und er versucht vorbeizufahren, aber leider schlägt er falsch ein und erwischt unser Benzchenklein am hinteren Kabineneck. Durch hupen können wir ihn stoppen, bevor er noch mehr Schaden anrichten kann. Zum Glück bleibt es bei einem kleinen Blechschaden und wir versorgen Benzchenklein mit Pflastern.

Juhuuu, endlich hat Franz sein Visum bekommen und wir können uns endlich auf den Weg nach Marrakesch machen. Wir fahren diesmal über Agadir, der Küste entlang und finden wunderschöne Übernachtungsplätze am Strand. Wir machen noch einen kurzen Abstecher nach Essaouira und wollen bei den Fischbuden, direkt am Hafen, endlich einmal guten Fisch essen. Leider haben wir an diesem Tag kein Glück. Am sündteuren Parkplatz bleibt ein voll beladenes TukTuk bei unserem Fahrradanhänger hängen und der Fisch war nicht nur teuer, sondern auch noch fast roh. Unsere Beschwerde hilft nicht viel, der Kellner meint: Wir essen den Fisch hier immer so! Naja wer’s glaubt …
Essaouira ist für Marokko sehr westlich und quirlig und daher natürlich auch sehr touristisch. Früher war es ein Treffpunkt für Hippies und sogar Bob Marley war schon hier.

Wir bleiben einen Tag und fahren weiter nach Marrakesch, wo Franz 10 Tage am Campingplatz bleibt und Kathi kurz nach Österreich zurück fliegt. Nach Kathis Rückkehr schauen wir uns 2 Tage Marrakesch an und verlaufen uns immer wieder aufs Neue im riesigen Souk. Danach starten wir in Richtung Ourikatal, das an einem Fluss gelegen ist, an dem sich ein Restaurant an das andere reiht. Vor allem einheimische Touristen nutzen das schöne Tal für Tagesausflüge, aber wir finden doch noch ein ruhiger Plätzchen zum Übernachten. Wir starten früh morgens nach Oukaiimeden, einen Skiort im Hohern Atlas auf 2.400 Meter. Die Aussicht auf die Bergwelt ist atemberaubend, vor uns erhebt sich der Toubkal, der höhste Berg Marokkos mit über 4.000 Meter. Ein Skilift ist noch in Betrieb. Hier kann man auch schon herrliche Bergtouren machen und das nützen wir am nächsten morgen auch gleich aus.

Weiter geht es quer durch das Land Richtung Atlantik, über Amizmiz und einsame Pisten nach Tillelt. Am Weg dorthin fahren wir durch eine sehr einsame, aber sehr schöne „Wildwest“ Landschaft mit viel Landwirtschaft und treffen in den 3 Tagen keine anderen Touristen. Diese Teil des Landes hat keine besonderen touristischen Attraktionen, aber gerade deshalb findet man hier das ursprüngliche Marokko.

Am Atlantik angekommen machen wir einen Stopp beim Surfertreffpunkt Immessouane Plage, zwischen Essaouira und Agadir. Hier kann man stundenlang zusehen, wie die riesen Wellen an der Felsküste brechen. Der Ort an sich ist nicht besonders sehr schön und das Meer extrem schmutzig. Also fahren wir weiter an einen Strand, an dem die Dünen bis ins Meer gehen, um dort ein paar Tage zu bleiben.

Aber daraus wird nichts: Vogelschutzgebiet.
Zur Zeit brütet dort eine große Waldrapp Kolonie und die sollen ihre wohlverdiente Ruhe haben. Es gibt weltweit nur noch ca. 900 Exemplare in freier Wildbahn die im europäischen Winter nach Marokko ziehen um hier zu überwintern. Wir sind erstaunt und erfreut, dass die Marokkaner in dieser Beziehung so umweltbewusst sind und weichen auf einen auch sehr schönen Platz, direkt am Strand aus. Hier stehen wir nun und bringen unsere Homepage wieder up-to-date.

Frühling im Antiatlas und weiße Strände am Atlantik

Wir genießen die Tage am Strand und lernen drei coole Surfer kennen, die den Plastikmüll einsammeln und daraus Kunstwerke machen. Wir nehmen sie uns gleich zum Vorbild und sammeln am nächsten Tag liegen gebliebenen Partymüll ein. Es ist ein gutes Gefühl, einen Platz schöner zu verlassen als man ihn vorgefunden hat.

Unsere Reise geht weiter nach Agadir, mit einem kurzen Großeinkaufstop beim Carrefour. Wir entschließen uns eine kleine, aber wunderschöne Bergstraße nach Tafraoute zu nehmen. Dort wollen wir noch einmal berggehen und den Frühling genießen. Jetzt sind hier schon sehr viele Camper eingetroffen, die alle auf das traditionelle Mandelfest warten. Aber dieses Jahr wird es wegen des Corona Viruses kurzfristig abgesagt.

Auch unsere 10 Jahre alten Campingsessel haben eine Generalüberholung gebraucht und beim Schneider in Tafraoute bekommt man für 5 Euro je Stuhl wieder einen perfekt reparierten Sessel. So können wir ein bisschen die Recycling Kultur der Marokkaner nachmachen und zum Ressourcenschutz beitragen.

Für uns geht es weiter Richtung Süden, wir wollen nach Id Aissa, der ältesten Speicherburg Marokkos aus dem 12. Jahrhundert. Es gibt dort oben ein ausgeklügeltes Wassersystem und bis 1950 wurde sie noch als Speicher für Getreide und Wertgegenstände genutzt. Wir waren sehr beeindruckt von diesem gut erhaltenen Bauwerk und der tollen Führung von Mohammed, der schon seit 20 Jahren hier oben arbeitet.

Es wird jetzt mit jedem Tag wärmer und wir erreichen schon Tagestemperaturen von über 30° im Schatten und deshalb „flüchten“ wir ans Meer zum bekannten Strand „Plage Blanche“. Die Dünen reichen bis an den 25 km langen einsamen Strand. Bei einem unserer langen Strandspaziergänge trauen wir unseren Augen nicht, Franz aus Steyr fährt mit seinem auffälligen Offroad LKW an uns vorbei. Er kommt gerade aus Togo und ist auf dem Heimweg nach Österreich. Wir haben uns 2018 auf einem Filmfestival in Österreich kennengelernt, seither keinen Kontakt gehabt und heute treffen wir uns am Plage Blanche, die Welt ist klein. Wir verbringen einen gemütlichen Abend und tauschen unsere Reiseerlebnisse aus.

Am nächsten Morgen hängt dichter Nebel über dem Strand und wir beschließen nach Fort Buo Jerife weiter zu fahren. Es ist ein altes Französisches Fort, erbaut 1920 und war eine beeindruckende Festungsanlage, die heute als Ruine erhalten ist. Es liegt mitten in einer bizarren Landschaft mit verschiedensten Kakteen und es soll hier die meisten Schlangen Marokkos geben. Wir stehen unter dem Fort inmitten einer wunderschönen Oase, wo auch tatsächlich Wasser fließt und werden jeden Tag von einem lauten Froschkonzert geweckt.

Wie überall ist auch hier in Marokko der Corona Virus Thema Nr.1. Viele Urlauber, darunter auch Österreicher, wollen nach Hause fliegen. Die Österreichische Botschaft in Rabat tut was sie kann um Flüge zu organisieren, Menschen zu beruhigen und weiter zu helfen. Auch wir lassen uns registrieren, entschließen uns aber hier zu bleiben und die nächsten Wochen einmal abzuwarten wie es sich entwickelt. Aber auch wir halten uns an die präventiven Sicherheitsmaßnahmen und stehen zur Zeit ganz alleine in der Oase, versorgen uns selbst und werden in den nächsten Wochen auch keinen Campingplatz anfahren.

Gestrandet in Marokko – CoVid19

Manchmal kommt es anders als man denkt. Nach einem Anruf der Österreichischen Botschaft die uns dringend geraten hat, nach Ceuta zu fahren, da die Grenzen zu Spanien für mindestens 1 Monat geschlossen werden, haben wir in „null-Komma-nix“ zusammengepackt. Wir haben die 1.200 km von Bou Jerife nach Ceuta in eineinhalb Tagen mit unserem 31 Jahre alten Benzchenklein herunter geradelt. Aber, obwohl wir noch vor Grenzschließung ankamen, haben wir es doch nicht bis zur Fähre geschafft, weil schon hunderte Camper vor uns warteten. Entgegen unserer Hoffnungen wurden wir am nächsten Tag auch nicht mehr durchgelassen.

Nach 3 Tagen warten am Straßenrand haben wir trotz Reiseverbot versucht zu einem Campingplatz zu fahren und dort unterzukommen. Und wir hatten riesiges Glück. 180 km südlich hatte ein Campingplatzbesitzer erbarmen mit uns. Hier stehen wir jetzt höchst wahrscheinlich für die nächsten paar Wochen und warten bis sich die Lage wieder normalisiert und die regulären Fähren wieder nach Spanien übersetzen. Auch in Marokko besteht striktes Ausgeh- und Reiseverbot, das von der Polizei und dem Militär streng kontrolliert wird. Unser Glück ist, dass der Campingplatz ein riesiges, parkähnliches Areal ist, direkt am Strand des Atlantik und wir können mit Lorenzo kleine Ausflüge machen.

Quarantäne in Moulay Bousselham

Aus einem Monat Corona Lockdown sind inzwischen 4 Monate Ausgangssperre in Marokko geworden. Wir haben 9 Wochen davon am Campingplatz in Moulay Bousselham verbracht. Nachdem wir die gesamte Zeit den Campingplatz nur zum Einkaufen mit Maske verlassen durften, haben wir uns ein Ersatzprogramm gesucht.

Wir haben einen Babbel Spanisch Sprachkurs gemacht, fotografiert und viel gelesen. Mit unseren Nachbarn große Kaffeetafeln und Grillabende genossen und am Abend m Lagerfeuer nette Gespräche geführt. Fast täglich haben wir die „7 Tibeter“ begrüßt und Kathi hat eine Kräuterwanderung für Interessierte gemacht. Franz hat sich inzwischen mehr Wissen über die Motortechnik von Benzchenklein angeeignet.

Wie in Europa haben auch wir in der Coronazeit viel Brot und Kuchen gebacken und unser Nachbar Robert hat dafür sogar einen eigenen Backofen aus Lehm gebaut. Übung macht den Meister und so gab es für Brigittes Geburtstag eine Drei-Schichten-Himmbeer-Sahnetorte.

Die Lebensmittelversorgung war eingeschränkt, doch mit ein bisschen Fantasie, haben wir mit den wenigen Zutaten trotzdem abwechslungsreiche Gerichte kreiert. Der über den Zaun verkaufte fangfrische Fisch war eine willkommene Abwechslung zu Couscous und Co.

Eines Tages bekamen wir überraschend Besuch von Gemeindevertretern und der Gendarmerie Royal. Wir bekamen einen ganzen Sack voller Lebensmittel geschenkt und danach wurden unser Autos desinfiziert (der Geruch von Spülmittel wehte uns um die Nase) Die ganze Aktion wurde vom Marokkanischen Fernsehen gefilmt und einige von uns waren für kurze Zeit plötzlich TV Stars.

Nach 7 Wochen Lockdown wollten wir einen kurzen Strandspaziergang machen, aber die Gendarmerie Royal hat uns schon nach wenigen Minuten zurück zum Campingplatz geschickt. Aber den riesigen, angeschwemmten Thunfisch konnten wir noch fotografieren. Also war wieder Campingplatzalltag angesagt, aber mit unseren Nachbarn am Campingplatz war immer was los und wir hatten es sehr lustig.

Trotzdem war unsere Stimmung immer wieder angespannt, weil wir nicht wussten, wann wir wieder nach Europa reisen können. Fast täglich kamen neue Informationen über Fähren die fahren sollten, aber dann in letzter Sekunde wieder abgesagt wurden. So kam es, dass wir am Schluss 4 verschiedene Fährtickets bezahlt hatten, die Fähren aber keine Genehmigung bekamen, und jetzt sind wir Besitzer von sinnlosen Gutscheinen die wir in dem vorgeschriebenen Zeitraum nicht einlösen können. Auch so kann man fast 2.000,- Euro anlegen 🙂

Letztes Kapitel „die Fähre“

Inzwischen sind wir froh, dass wir es schlussendlich doch noch auf eine Fähre nach Genua geschafft haben. Wir standen auf der Passagierliste für die Deutsch-Holländische Fähre, aber wir benötigten eine telefonische Ticketbestätigung der Fährgesellschaft GNV. Wir warteten vergeblich und so beschlossen wir gemeinsam mit unseren 3 Nachbarfahrzeugen auf Gut Glück am Vortag der Abreise nach Tanger Med zu fahren. Um überhaupt mit dem Auto fahren zu dürfen, braucht man verschiedene Transitbestätigungen. Diese hatten wir alle, aber das Problem war, einen Übernachtungsplatz in der Nähe des Hafens zu bekommen. Der einzige Parkplatz auf dem wir übernachten hätten können, war von einer Polizeistreife abgeriegelt und sie ließen uns nicht durch. Wir versteckten uns in einer Seitengasse und warteten bis 19.00 Uhr. Zwischen 19.00 und 5.00 Uhr herrscht in Marokko striktes Fahrverbot. Unser Plan ging auf, die Polizeistreife löste den Posten auf und wir hatten freie Fahrt zu unserem Übernachtungsplatz.

Am nächsten Morgen sind wir gleich um 5.00 Uhr die wenigen Kilometer nach Tanger Med zur Hafeneinfahrt gefahren und haben uns in die Autoschlange eingereiht. Um 7.00 Uhr wurden unsere Tickets kontrolliert, aber leider waren wir auf keiner der 3 Passagierlisten und hatten damit keine Chance in das Hafengelände zu kommen. Doch wie ein Wink des Schicksals hat Silvia unter ihrem Auto ein Bündel der benötigten roten Einfahrtszettel gefunden. Also haben wir diese schnell hinter die Windschutzscheibe gesteckt und sind dann wirklich vom Hafenpersonal durchgewunken worden. Nun konnten wir uns bei den Ticketschaltern anstellen und versuchten dort irgend ein Ticket zu bekommen. Wir hatten nach stundenlangem warten und fragen schon fast aufgegeben, aber einmal wollten wir es noch versuchen den Vorgesetzten der GNV Ticketoffice zu überreden. Unser stundenlanges, lästiges Nachfragen hat sich ausgezahlt, wir mussten zwar nochmals ein neues Ticket um über 900,– Euro kaufen, aber wir waren auf der Fähre nach Genua. In letzter Sekunde kamen wir auf das Schiff, alle Zufahrten waren schon gesperrt und wir hatten noch nicht einmal den Motor abgestellt, da hat die Fähre schon die Ladeklappen geschlossen und abgelegt.

Wir benötigten die dreitägige Überfahrt um wirklich zu realisieren, dass wir am Heimweg sind und feierten unseren Erfolg in der Schiffsbar. Das Bier schmeckte nach einem Monat Ramadan in Marokko wieder richtig gut.

Die Zeit am Schiff nutzten wir unter anderem damit, die unzähligen Corona Durchfahrtsgenehmigungen auszufüllen. In Genua angekommen, wurde die italienische Bescheinigung kontrolliert, aber in Sillian an der österreichischen Grenze interessierte keinen unsere Quarantänebescheinigung, nach der wir zwei Wochen in selbst kontrollierte Heimquarantäne gehen müssten. Zu unserer und anderer Sicherheit, haben wir noch am gleichen Tag einen PCR Test machen lassen und waren beide negativ. Jetzt konnten wir endlich wieder unsere Freiheit genießen.